Wenn ihr mir auf Goodreads und Twitter folgt, habt ihr meinen Wutausbruch zu diesem Buch live miterlebt. Es folgt nun eine ausführliche Rant Rezension die Spoiler enthält, aber da ich euch DRINGENDST von diesem Buch abrate, könnt ihr die Spoiler ruhig lesen. Warnung: Es wird verdammt viel geflucht.


Klappentext

Abel Tannatek ist ein Aussenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?

Bildergebnis für der märchenerzähler

Kurz-Info

• Autor: Antonia Michaelis
• Verlag: Friedrich Oetinger
• Seiten: 448
• Genre: Thriller


 

Fangen wir also an, zunächst mochte ich das Buch. Das Märchen von der Klippenkönigin und dem grauen Seelöwen waren ständige Metaphern für das Leben von Abel. Der Schreibstil ist etwas kitschig, aber trotzdem mitreissend. Das war es auch schon mit den positiven Dingen.

Fangen wir also an mit all dem miesen Zeug:

1. DIE WENDUNG BESSER GESAGT DIE VERGEWALTIGUNG

Ja, richtig. Anna verliebt sich natürlich in diesen super heissen Abel Bad Boy und will auch Sex mit ihm haben. Doch dann geschieht es: DIESER DRECKSVERDAMMTE KERL VERGEWALTIGT SIE. Aber sie wollte doch Sex? Ja, Blümchen-Sex. Kein „Ich halte dir das Maul zu, drück dich an den Boden und fick dich obwohl du um Hilfe und mehrmals ‚Nein‘ oder ‚aufhören‘ schreist und laufe dann schnell weg“. Das, liebe Leute, nennt man Vergewaltigung.

2. DER UMGANG MIT DER VERGEWALTIGUNG

Anna gibt sich die Schuld dafür. Sie ist ein wenig wütend und schämt sich, aber sie liebt ihn ja noch weil er so achverdammt heiss ist und in der Liebe gibt es keine Vernunft. Das sind ihre Worte, nicht meine! Kein Scheiss, das steht wirklich so im Buch! E-Book Seite 227! Und was tut die liebe kleine Anna, nachdem sie vergewaltigt wurde? SIE LIEBT IHN NOCH MEHR UND VERZEIHT IHM UND SICH SELBST UND ALLES IST FRIEDE FREUDE EIERKUCHEN.

3. SEINE TRAGISCHE VERGANGENHEIT

Natürlich ist die Vergewaltigung am Anfang ein Schock und ekelhaft zu lesen, aber nur Seiten später erfährt man von der schweren Kindheit, die Abel durchleiden musste. Der Arme. Sein Leben ist immer noch brutal und erbarmungslos. Er wollte sie doch gar nicht vergewaltigen. Seine Worte, nicht meine. Also ist die Vergewaltigung im Grunde genommen gar nicht so schlimm, ich meine hey, schwere Kindheit und so. Und zudem macht er das alles nur, um seine kleine Schwester Micha zu beschützen!

Nochmals zum Mitschreiben: Es gibt verdammt viele Menschen da draussen die eine verdammt scheiss Kindheit hatten und die rennen auch nicht durch die Gegend und vergewaltigen Menschen! Natürlich gibt es eine Menge Vergewaltiger und Mörder, aber wenn jeder mit einer scheiss Kindheit so herum rennen würde, glaubt mir, wir lägen bereits unter der Erde begraben. Eine tragische Kindheit ist keine Entschuldigung für seine jetzigen Taten. Nichts rechtfertigt so eine Tat.

4. DIE AUFDECKUNG DER MORDE

Im Märchen gibt es einen Fragenden und einen Antwortenden. Man muss kein Genie sein um festzustellen, auf welche Fragen der Antwortende antwortet. Dann kommt der verdammt vorhersehbare Moment und es wird klar: Abel wars! Der Typ ist nicht nur ein Vergewaltiger, sondern auch ein Mörder! Und was macht Anna! LIEBT IHN NOCH MEHR UND SPRINGT MIT IHM IN DIE KISTE! WIE ES JEDER VERNÜNFTIGE MENSCH AUF DIESEM PLANETEN TUN WÜRDE! LOGISCH!

5. DIE VERDAMMT IGNORANTEN NEBENCHARAKTEREN

Gitta und Bertil wissen Dinge von Abel, die Anna nicht weiss. Was tut eine beste Freundin in solch einer Situation? RICHTIG, SIE SCHWEIGT. Erst als es zu spät ist, greift sie dann irgendwie ein. Wenn du etwas von dem „Freund“ deiner besten Freundin weisst, dann sag es ihr. Sofort.
Annas Eltern sind ebenfalls kleine Lichtpunkte im Buch. ALSO WESHALB SPRICHT SIE IHRE ELTERN MIT MAGNUS ODER LINDA AN?!

6. DAS DRECKSVERDAMMTE ENDE

Nochmals zusammengefasst. Abel, der Mörder,  hat Anna vergewaltigt und sie verzeiht ihm natürlich aufgrund seiner schweren Kindheit. Daraufhin haben sie wunderschönen Blümchensex. Der liebe Abel pustet sich dann die Birne weg und für Anna geht eine Welt unter. Sie liebt ihn doch so sehr. Wirklich! Wahre Liebe!

Lange Rede kurzer Sinn: SCHMEISST DIESES BUCH GEGEN DIE WAND, VERBRENNT ES UND TRETET DARAUF. Ich fasse es nicht, wie man so ein Buch veröffentlichen konnte. Und ich weiss Geschmäcker sind verschieden und ich will hier niemanden persönlich beleidigen, aber ich verstehe wirklich nicht, wie man dieses Buch gut finden kann. Ihr mochtet das Buch? Dann könnt ihr mir gerne schreiben wieso ihr das Buch mochtet. Aber bitte kommt mir nicht mit Argumenten wie „Es ist doch wahre Liebe!“, „Er wollte sie doch gar nicht vergewaltigen“, „Er tut das doch nur für Micha“ oder „Seine Kindheit war doch soo tragisch und traurig.“ In diesem Falle solltet ihr nochmals den gesamten Beitrag lesen.

Ich war mehrmals drauf und dran meinen Tolino gegen die Wand zu schmeissen. Gott sei Dank habe ich nur ein E-Book davon und muss es nicht in mein Regal stellen. Stellt euch doch nur mal vor, ich hätte so ein Buch in meinem Zimmer!

Und falls ihr mich jetzt entschuldigt, ich muss beruhigende Bücher lesen, in denen sich das Opfer nicht in der Vergewaltiger/Mörder verliebt und das alles noch okay ist, weil er ja eine so ach verdammte Kindheit hatte!

Julia over and out.

Written by Julia

    9 Kommentare

  1. Ana Januar 20, 2017 at 1:09 pm Antworten

    Liebe Julia,

    danke für die ehrliche und wichtige Rezi! Ich bin wirklich froh, dass ich sowas immer öfter lese, denn vor ein paar Jahren hatte das Buch fast ausschließlich fünf Sterne Bewertungen.
    Es scheint also in die richtige Richtung zu gehen, doch leider haben solche Storys trotzdem immer noch viel zu viele Leser/innen, die das ganze romantisch finden.

    Dein Leseeindruck spiegelt meinen jedenfalls zu 100% wider.

    Übrigens hat sich die Autorin in einem Interview auch selbst zum Thema und den kritischen Stimmen geäußert.
    Tja und was soll ich sagen? Besser hat es die Sache nicht gemacht, eher ganz im Gegenteil.
    Ihre Aussagen waren richtig grenzwertig, sie findet unzählige Entschuldigungen für Abel und für Vergewaltigungen an sich.
    Das Interview hing mir noch lange nach, zumal ich von einer Person darauf hingewiesen wurde, die selbst ähnlich Schlimmes erlebt hat – und zwar mit den Worten „Lies dir das mal durch. Was die von sich gibt, ist für Menschen wie mich ein Schlag ins Gesicht.“

    Liebe Grüße,
    Ana

    • Julia Januar 20, 2017 at 6:41 pm Antworten

      Liebe Ana
      Obwohl ich das Buch vor einigen Monaten gelesen habe, geistert es immer noch in meinen Gedanken rum. Ich kann es nicht verstehen, dass es manche wirklich gut finden. Ich finde Abel nicht nur wegen der Vergewaltigung ein mieser Typ, sondern auch weil er ein verdammter Mörder ist. Mir sind Menschen mit ähnlichen Schicksalen bekannt, aber die rennen auch nicht durch die Gegend wie Abel es tut.
      Ich hab mich gerade über das Interview erkundigt und fand eines, in dem sie sich über diese kritischen Stimmen äusserte. Wahnsinn was die Frau von sich gibt. Da konnte ich nur den Kopf schütteln.
      Liebste Grüsse
      Julia

  2. Philip Will September 26, 2016 at 10:01 am Antworten

    Bin zufällig auf diese Rezension gestoßen und war erst skeptisch. Oft, wenn es um Vergewaltigung in Fiktion geht, wird schnell die Meinung laut, es handle sich um ein Tabuthema, über das niemand schreiben sollte.

    War sehr erleichtert (sofern man bei sowas erleichtert sein kann), dass das hier scheinbar nicht der Fall ist, sondern du sehr, sehr gute Gründe für dein Problem mit diesem Buch (von dem ich noch nie gehört habe) anbringst.

    Bin der festen Meinung, dass es nichts gibt, über das nicht geschrieben werden dürfte. Aber wie damit umgegangen wird, ist wichtig. Wer sich derart schweren Themen zuwendet, hat die Pflicht, respektvoll, bewusst und verantwortlich mit ihnen umzugehen. Das scheint hier nicht einmal ansatzweise der Fall zu sein. Deine Kritik ist mehr als nur angebracht.

    Eine starke, wichtige Rezension.

    Liebe Grüße,
    pw

    • Julia September 26, 2016 at 5:46 pm Antworten

      Lieber Philip
      Danke für den tollen Kommentar! 🙂 Ich bin auch der Meinung, dass man über solche Themen schreiben darf und auch sollte. Aber wie du gesagt hast, sollte es respektvoll sein. In diesem Buch wurde die Vergewaltigung auf die leichte Schulter genommen à la „kann ja mal passieren“. Und diese Nachricht an den Leser fand ich einfach abartig.
      Viele Grüsse
      Julia

  3. Kaddy September 22, 2016 at 7:24 pm Antworten

    Hallo Julia,
    ich folge dir schon seit einiger Zeit auf Twitter und bin komischerweise erst jetzt auf deinen Blog gestossen. Wieso?!?! Der erste Eindruck ist auf jeden Fall schon mal echt gut und ich glaub, dass ich in Zukunft öfters mal vorbeischauen werde. Also mach dich schon mal auf etwas stalking gefasst ^^

    Das Buch kannte ich bisher nicht und auch so vom optischen her hätte ich auch gedacht, dass es eher in Richtung Märchenbuch für Jugendliche/Erwachsene geht. Auch der Infotext lässt vermuten, dass es in die vermutete Richtung steuert und dann kommen deine Kommentare…
    Beim ersten hab ich mir nur „wooohhh…hab ich da gerade richtig gelesen?“ gedacht. Offensichtlich ja. Generell gesagt finde ich es nicht schlimm, wenn so ernste Themen in Büchern vorkommen. Jedoch wurde es hier echt schräg und falsch dargestellt sodass sich eher ein „was zur Hölle?!?“ in meinem Kopf groß macht. Das ist wie du schon sagt definitiv nicht in Ordnung eine Vergewaltigung so darzustellen und damit umzugehen. Am schlimmsten finde ich, dass es sich bei mind. einer Person im Kopf festsetzt und sie deshalb auch so reagieren würde. Nicht in Ordnung!
    Irgendwie musste ich auch an „Zorn und Morgenröte“ denken, bei dem es ähnliche Reaktion zu dem Thema gab. Da ich allerdings keines der beiden Bücher gelesen habe kann ich nicht näher darauf eingehen…nach den negativen Reaktionen ist die Lust diese zu lesen auch nicht sonderlich da.

    Liebe Grüße
    Kaddy

    P.s. Was ist eine Rant Rezension?? Habe bisher den Begriff noch nie gehört oder gelesen.

    • Julia September 22, 2016 at 8:15 pm Antworten

      Liebe Kaddy
      Besser spät als nie 😀 Ich freu mich über jeden neuen Leser!
      Eine Rant-Rezension ist eigentlich nichts anderes als eine Aufreger-Rezension. Wenn man ein Buch einfach auseinandernimmt und sich richtig darüber aufregt. Anna von Ink of Books ist da eine wahre Spezialistin 🙂
      Ich muss gestehen, dass ich den ersten Teil des Buches recht gut fand. Das Märchen fand ich ganz schön und auch die ernsteren Themen fand ich in Ordnung, aber wie die Autorin mit der Vergewaltigung umgegangen ist fand ich einfach schrecklich. Dann ging es richtig bergab.
      „Zorn und Morgenröte“ mochte ich auch nicht besonders, was aber nicht nur an den Sex-Szenen liegt. Bei diesem Buch bin ich mir selbst nicht sicher, ob es nun als Vergewaltigung zählt oder nicht, da sich die Protagonistin hingibt und den Sex anbeitet à la „nimm mich ich bin nackt und schön“ und nicht „nein“ sagt oder sich wehrt. Das schräge ist ja, dass sie sich eine Seite später unheimlich in ihn verliebt. Nennt man das nicht Stockholmsyndrom?
      Viele Grüsse
      Julia

  4. Kani September 21, 2016 at 10:46 pm Antworten

    Also wenn das nicht die Negativ Rezension is, nach der alle schreien weiß ich auch nicht.
    Nach dem was ich hier lese ist es für mich kein Buch, dass ich lesen will, also danke hierfür. Dank 50 Shades, ist es leider Romantisch, wenn Frauen psychisch niedergemacht, von ihren Freunden getrennt, in eine Abhängigkeit gebracht oder gedemütigt werden oder wie in diesem Fall, eben Vergewaltigung über sich ergehen lassen müssen.
    Ich finde es gut, dass jemand aufsteht und mal klar sagt, Vergewaltigung ist kein Stilmittel, um zu zeigen wie sehr man jemanden liebt und wie sehr man ihn vergeben kann.
    Wenn Bücher Vergewaltigungen herunterspielen, wie wollen wir in der realen Welt dann je ernsthaft was dagegen machen?
    So jetzt hab ich das Buch nicht einmal gelesen und bin auch schon sauer.
    In diesem Sinne wünsche ich eine gute Nacht.

    • Julia September 22, 2016 at 8:09 pm Antworten

      Hi Kani
      Danke für diesen Kommentar! Ich bin da genau deiner Meinung! 50 Shades of Grey hab ich nie gelesen und werde es wohl auch nie tun, weil ich diese psychische und physische Demütigung nicht ertragen kann (sowohl bei Frauen wie auch Männer oder anderen Geschlechtern). Ich freu mich das ich durch diese Rezension ein paar Leser wachrütteln kann und davon ein wenig abhalte das Buch zu lesen. Hört sich zwar fies an und ist es vielleicht auch, aber man sollte keine Bücher lesen, in denen Vergewaltigungen verherrlicht oder heruntergespielt werden.
      Viele Grüsse und dir auch eine gute Nacht
      Julia

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